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Felix Mendelssohn Bartholdy

Elias

Müller, Jänicke, Connaire, Speer
Kantorei St. Nikolai
Hamburger Camerata, Matthias Hoffmann-Borggrefe

Troubadisc TRO01445, Preiscode: EB (2 CD), VÖ: 1.10.2014, 4014432014456

Mendelssohns “Elias” zählt aus verschiedenen Gründen zu den Höhepunkten der romantischen Oratorien-Literatur des 19. Jahrhunderts. Formal verbindet es Elemente des geistlichen Oratoriums mit dramatischen Elementen der klassischen und romantischen Oper (Mozart, Carl Maria von Weber), greift aber auch zurück auf Bach, Händel und Haydn. Die Tonsprache ist hoch romantisch und die Behandlung der Stimmen und des Orchesters zeigt Mendelssohn auf der Höhe seines Schaffens. Das Libretto zeigt den eifernden, strafenden Gott des Propheten Elias und stellt die Theodizee-Frage: Wie kann ein gütiger Gott soviel Schreckliches zulassen? Zugleich ist das Oratorium ein Glaubensbekenntnis; in einigen zentralen Sätzen finden sich alle fünf Teile der sonntäglichen Messe, und das eigentliche Ziel des Werkes ist die Ankunft Christi. Hoffmann-Borggrefe hält den “Elias” für ein biographisches Schlüsselwerk und sieht ihn als ein Plädoyer für mehr Toleranz unter den Religionen. Besonders geht es um eine vollständige Emanzipation der Juden in einer freien, liberalen und aufgeklärten Gesellschaft.

 

 

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Sergej Rachmaninow (1873-1943)

Orchesterwerke:
Die Toteninsel, op. 29
Symphonische Tänze, op. 45
Vocalise, op. 34,14

Miskolc Symphony Orchestra, László Kovács

Hungaroton HCD32737, Preiscode: CE, VÖ: 1.10.2014, 5991813273727

Zwei frühe und die letzte Komposition Rachmaninows sind auf dieser CD vereint. “Die Toteninsel” schrieb er während seines Aufenthalts in Dresden 1909. Ein typisch spätromantisches Werk, inspiriert von Böcklins gleichnamigem Bild. “Vocalise” ist seine vielleicht bekannteste und beliebteste Schöpfung, ebenfalls eine frühes Werk, entstanden 1912, und Teil eines Liederzyklus auf russische Lyrik. Ein extrem melancholisches Stück, das an den Stil orthodoxen liturgischen Gesangs erinnert. Vielfach ist es für andere Besetzungen arrangiert worden; diese für großes Orchester stammt vom Komponisten selbst. Die beiden Werke umrahmen die “Symphonischen Tänze”, das letzte Werk des Meisters mit einer Opuszahl, 1940 komponiert. Zusammen mit der Chorsymphonie “Die Glocken” hielt er die “Tänze” für seine beste Komposition. Er widmete sie Eugene Ormándy und dem Philadelphia Orchestra, mit dem ihm seit 1909 eine enge Zusammenarbeit verband.

 

 

7318599920542

Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 14 Es-Dur KV449
Klavierkonzert Nr. 21 C-Dur KV467
Rezitativ und Rondo „Ch‘io mi scordi di te?“ für Sopran und Orchester mit obligatem Klavier KV505

Ronald Brautigam, Fortepiano
Carolyn Sampson, Sopran
Die Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

BIS BIS-SACD-2054, Preiscode: CE, VÖ: 1.10.2014, 7318599920542

Am 9.2.1784 hatte Mozart sein Klavierkonzert Nr. 14 in sein Werkverzeichnis eingetragen, und genau 13 Monate später vollendete er sein 21. Konzert. In wenig mehr als einem Jahr hatte er sieben Klavierkonzerte komponiert, und alle sind höchst individuelle Werke, die sich auf verschiedenen Wegen mit dem Bezug zwischen Soloinstrument und Orchester befassen – wie gerade die beiden hier vorgestellten Konzerte demonstrieren. Das Es-Dur-Konzert ist für Klavier und Streicher geschrieben (Bläser ad libitum), und kann nach Mozarts eigenen Anweisungen durchaus auch mit einem Streichquartett begleitet werden. In dieses kammermusikalische Ambiente fügt sich auch das Soloinstrument perfekt ein. Im kompletten Gegensatz dazu schreibt er im Konzert Nr. 21 großes Orchester vor, mit Flöten und Oboen, Fagotten, Hörnern, Trompeten und Pauken. Es ist eines seiner populärsten und spieltechnisch anspruchsvollsten Konzerte (Vater Leopold notierte, es sei “erstaunlich schwierig”). Diese so verschiedenen Konzerte werden auf dieser Einspielung voneinander getrennt durch das Rezitativ und Rondo, das Mozart für die englische Sopranistin Nancy Storace geschrieben hatte – vielleicht ein Abschiedsgeschenk, als Storace von ihrem Wien-Aufenthalt nach London zurückkehrte (sie hatte die Susanna in der Erstproduktion der “Hochzeit des Figaro” gesungen).

 

 

7318599920894

Venezianische Weihnacht

mit Werken von Antonio Vivaldi, Johann Adolph Hasse, Fulgenzio Perotti und Giuseppe Torelli

Ruby Hughes, Sopran
Arte dei Suonatori, Martin Gester

BIS BIS-SACD-2089, Preiscode: CE, VÖ: 1.10.2014, 7318599920894

Weihnachten wurde im Venedig des 18. Jahrhunderts gefeiert wie nirgendwo sonst. Ein Konto weist aus, dass über die drei Läden des Prokurators am Heiligen Abend mehr Kerzen verkauft wurden als im übrigen Italien im ganzen Jahr. Dabei löste sich das Fest vom christlichen Anlass und wurde Teil des venezianischen Karnevals, der zu dieser Zeit sechs Monate andauerte. Das führte natürlich zu einem sehr spezifischen Charakter der Feierlichkeiten, verglichen z.B. mit dem streng geistlichen Ansatz in Rom. Musik war ein wesentlicher Bestandteil der venezianischen Festlichkeiten, aber es ist kaum etwas aus der zeitgenössischen Musikproduktion als hierfür zweckbestimmt zu identifizieren. Martin Gester und die Arte dei Suonatori haben ein farbiges Programm zusammengestellt mit Musik, die definitiv Bestandteil der venezianischen Weihnacht war oder von der man sich sehr gut vorstellen kann, dass sie für und zu diesem Anlass benutzt wurde.

 

 

7318599921105

Allan Pettersson (1911-1980)

Symphonie Nr. 4 (1959)
Symphonie Nr. 16 (1979)

Jörgen Pettersson, Altsaxophon
Norrköping Symphonieorchester, Christian Lindberg

BIS BIS-SACD-2110, Preiscode: CE (inkl. Bonus-DVD), VÖ: 1.10.2014, 7318599921105

Pettersson war durch und durch Symphoniker. Nach seinem ersten, unvollendeten Versuch (Symphonie Nr. 1, später von Christian Lindberg komplettiert und auf BIS 1860 eingespielt) komponierte er noch 15 weitere Symphonien und hinterließ bei seinem Tod 1980 ein weiteres Fragment. Daneben komponierte er nur sechs andere Werke. Nur die Jahre vor der Veröffentlichung der 4. Symphonie scheinen Jahre des Innehaltens gewesen zu sein, ausgelöst durch den Misserfolg der 3. Symphonie 1956. Die 4. hat einen biographischen Bezug; Petterssons Mutter war gestorben, und er schrieb in sein Tagebuch: “Symphonie Nr. 4. Für meine Mutter, die heimgegangen ist in das Leben, in dem Güte in Gott verkörpert wird.” Die choralartigen Passagen dieser Symphonie werden direkt inspiriert sein durch die Lieder, die ihm seine tief religiöse Mutter in seiner Kindheit vorgesungen hat. Ganz anders der Ansatz der 16. Symphonie, in der Pettersson das Saxophon solistisch auftreten lässt und die von der Spannung zwischen wilden, eruptiven und langsamen, ruhigen Abschnitten lebt. Als Bonus liegt der SACD eine DVD bei mit einem zweiundfünfzigminütigen Interview, 1974 von Sveriges Television aufgezeichnet: “Vem fan är Allan Pettersson?” (Wer zur Hölle ist Allan Pettersson?)

 

 

7318599921464

In Memoriam

Viktor Suslin (1942-2012):
Mobilis für Violine solo
Sonata capricciosa für Viola und Cembalo
Grenzübertritt für Viola, Cello und Kontrabaß
1756 für Violine solo
Capriccio über die Abreise für zwei Violinen
Sofia Gubaidulina (*1931):
So sei es für Violine, Kontrabaß, Klavier und Schlagzeug (Ersteinspielung)

Nurit Stark, Violine und Viola
Cédric Pescia, Klavier und Cembalo
Alexander Suslin, Kontrabaß
Rebecca Beyer, Violine
Olga Dowbusch-Lubotsky, Cello
Taiko Saito, Schlagzeug

BIS BIS-SACD-2146, Preiscode: CE, VÖ: 1.10.2014, 7318599921464

In den 1960er Jahren begann Suslin zu komponieren; 1975 bildete er mit seinen Kollegen Sofia Gubaidulina und Wjatscheslaw Artyomow ein Improvisationsensemble, das für die weitere Entwicklung der sowjetischen Avantgarde von großer Bedeutung werden sollte. Beliebt beim Regime machten sich die drei damit nicht, und Suslin emigrierte 1981 in die Bundesrepublik. Hier formierte er sein Astrea Ensemble mit Sofia Gubaidulina neu, nun mit seinem Kontrabaß spielenden Sohn Alexander als drittem Mitglied. Als Komponist bediente sich Suslin eines weiten Spektrums von Methoden und Mitteln: Dodekaphonie, Serialismus, Modalität, aber nie mit dogmatischer Konsequenz. Er hatte einen undogmatischen Zugang zur Form und hielt letztlich immer die Balance zwischen Klassizismus und Innovation. Das Programm schließt mit der Ersteinspielung von Gubaidulinas „So sei es“, für diese Aufnahme komponiert und mit dem Untertitel „in memoriam Viktor Suslin“ bezeichnet. Wie ein geheimer Code läuft das von der Komponistin so geliebte B-A-C-H Motiv durch das Werk, und das Kreuzmotiv in Form des Themas der cis-Moll-Fuge aus dem 1. Band des Wohltemperierten Klaviers kommt auch vor. Der Choral, der das zwanzigminütige Werk krönt, wirkt mit seinen schimmernden Harmonien wie ein Lebewohl für einen lieben Freund.

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